„Die Bestatteten wollen den Friedhof verlegen“
Der Tagesspiegel berichtet über die Kritik vieler Unternehmer über die Nicht-Reformfähigkeit der deutschen Universitäten
Tagesspiegel von Anja Kühne
„So viele gekränkte ältere Herren hat die Fachhochschule Wiesbaden sicher noch nie gesehen: Die abgesandten Professoren von 257 deutschen Hochschulen mussten zu Beginn des zweiten Tages ihrer Jahresversammlung Wirtschaftsvertretern lauschen. Die waren eigentlich zur Hochschulrektorenkonferenz eingeladen worden, um Impulse zu geben – stattdessen teilten sie lieber Schläge aus. „Von Geldmangel an den Hochschulen kann gar keine Rede sein“, meinte etwa der Jungunternehmer Peter Rasenberger zu den Rektoren und Präsidenten, „es geht einzig und allein darum, die Handbremse im Kopf zu lösen“. August-Wilhelm Scheer, zugleich Professor für Wirtschaftsinformatik und Chef von 1000 Mitarbeitern einer Softwarefirma, sieht das genauso. Deshalb plädierte er dafür, den Hochschulen nicht länger ihre eigene Reform zu überlassen: „Eine Reform von innen ist dasselbe, als würde man einen Friedhof verlegen wollen und erwarten, dass die Bestatteten selbst die Arbeit machen“, sagte er, den Kopf provokant lässig in die Hand gestützt. …“
